Mit den "Dicken" durch Matsch, Hagel und Alpenrosen

Mal wieder auf der Suche nach Abenteuer! Da wir schon einige Male mit leichteren Enduros auf Schotterstraßen unterwegs waren, mussten jetzt unsere "Dicken" – die schweren Reiseenduros – ran. Im Internet gesucht und gefunden: der Drumul Strategică. Es soll eine alte Militärstraße sein, welche im Ersten Weltkrieg gebaut wurde. Nach einigen Recherchen stand fest: Die Straße verläuft zwischen dem Großen Lautertal und der Transalpina (Drumul Regelui).

Traumstraßen zum Aufwärmen

Wir starteten in Heltau. In Zoodt führte uns die DJ105G über Râu Sadului und den kleinen Zoodt ins Große Lautertal. Diese Kreisstraße ist ein absoluter Traum – egal ob man mit dem Fahrrad, Motorrad oder Auto unterwegs ist.

Wir wussten dank GPS-Koordinaten genau, wo die "Strategica" im Großen Lautertal beginnt. Als das Navi dann allerdings sagte „rechts abbiegen“, dachten wir zuerst: Das kann nicht sein! (Aber meistens haben Navis eben doch recht). Mitten ins Gestrüpp zweigte eine wagenbreite, natürlich ungeteerte Straße ab. Das Abenteuer war da.

Lehmrillen und ungewollter Bodenkontakt

Am Anfang war die Straße steinig, teils gepflastert und felsig. Doch dann wurde es lehmig und zum Teil zog sich ein tiefer Wassergraben durch die Mitte der Piste. Unser großes Glück: Es war trocken und nicht rutschig. Trotzdem hatte jeder von uns mal harten, mal weichen – und vor allem ungewollten – Bodenkontakt.

Oberhalb der Baumgrenze, wo die Piste wieder überwiegend steinig und felsig wurde, erwartete uns eine echte Augenweide: Rote Berge, auf denen die Alpenrosen blühten.

Naturschauspiel unter der Tanne

Doch das Bergwetter ist unberechenbar. Donner und Blitze kamen immer näher, und weit und breit war kein Unterschlupf in Sicht. Dann fing es an zu hageln.

Eine Tanne war in Sicht! Motorräder abgestellt, eine Plane raus und mit Helm auf dem Kopf unter der Plane, unter der Tanne, das Naturschauspiel beobachtet. Nach kurzer Zeit war alles vorbei, doch im Weg bildete sich ein kleiner Bach. Es wurde rutschig. Mit viel Geduld und Geschick kämpften wir uns wieder auf feste Straße aus Steinen und Fels vor.

Schneefelder und Schutzengel

Ein Schneefeld, welches direkt über die Straße ging, bot uns gleich die nächste Herausforderung. Wir haben die Motorräder geschoben und vorher ausgemacht: Wenn's rutscht – loslassen! Wir hatten jedoch einen Schutzengel dabei, so wie hoffentlich jeder Motorradfahrer.

Südlich, oberhalb vom Vidra-Stausee, bot sich uns dann ein herrliches Panorama, das vom Parâng-Gebirge bis ins Oașa-Tal reichte.

Erschöpft und glücklich auf 2.000 Metern

Durch mehr oder weniger tiefe Wasserpfützen erreichten wir am Abend endlich die Transalpina. Ein kühler Wind und die nassen Klamotten haben uns auf ca. 2.000 Metern Höhe den Rest gegeben. Es war eiskalt, wir haben gezittert – aber eben auch vor Freude und Stolz.

Als wir die Asphaltstraße runter in Richtung Wasserscheide (Obârșia-Lotrului) fuhren, wurde uns im Fahrtwind dann allmählich auch körperlich wieder wärmer. Eine unvergessliche Tour!

Tour-Daten auf einen Blick:

Motorräder: Schwere Reiseenduros
Route: Heltau ➔ Zoodt (DJ105G) ➔ Râu Sadului ➔ Großes Lautertal ➔ Drumul Strategică ➔ Transalpina (Obârșia-Lotrului)
Highlight: Blühende Alpenrosen oberhalb der Baumgrenze & das Panorama über den Vidra-Stausee
Schwierigkeit: Anspruchsvoll (Tiefe Lehmrillen, Geröll, Wasserdurchfahrten, Schneefelder)

Bericht von Fred Bonfert